
Für 170 Mio. Euro: Wien gibt KI und Life Sciences neue Heimat
In einer Klausur der Stadtpolitik haben sich die Regierungsparteien der Stadt Wien darauf verständigt, ein neues Life Science Center für Wien zu bauen, das die Expertise aus dem Forschungscentrum CeMM (Center für Molekulare Medizin) und dem neuen KI-Institut AITHYRA unter einem Dach verbindet. Dazu hat man die Summe von 170 Mio. Euro freigegeben, die Planungen können nun beginnen.
Das Life Science Center Vienna soll das große Leuchtturmprojekt der aktuellen Regierungsperiode des rot-rosa-Bündnisses der österreichischen Landeshauptstadt sein. Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) hat gemeinsam mit den Vizebürgermeisterinnen Bettina Emmerling (Neos) und Kathrin Gaál sowie Wirtschaftsstadträtin Barbara Novak (beide SPÖ) die Parole für die kommenden Jahre ausgegeben: „Starke Wirtschaft. Starkes Wien.“ Als Grundlage dafür zählt man in Österreich schon lange die Wissenschaft und steckt sich daher als Land auch ambitionierte Investitionsziele für die Forschungsausgaben.
Mit dem Life Science Center Vienna startet die Stadt Wien die Planung eines ihrer zentralen Zukunftsprojekte an der Schnittstelle von Gesundheitsforschung, Life Sciences und Künstlicher Intelligenz. Im südlichen Stadtteil Neu Marx, in unmittelbarer Nähe zum Vienna BioCenter, errichtet die Wirtschaftsagentur Wien im Auftrag der Stadt einen neuen Innovations- und KI-Hub, der Unternehmen, Start-ups und Forschungseinrichtungen moderne Infrastruktur für datengetriebene biomedizinische Forschung bieten soll.
Für das neue Life Science Center ist ein Investitionsvolumen von rund 170 Mio. Euro vorgesehen. Während der Bauphase sollen rund 1.000 Arbeitsplätze in der Bauwirtschaft entstehen, im laufenden Betrieb ist Platz für etwa 500 hochqualifizierte Arbeitsplätze in Forschung, Life Sciences und KI. Auf rund 14.000 Quadratmetern entstehen Labor- und Büroflächen, ergänzt durch technische Infrastruktur im Untergeschoss, etwa für Rechen- und Serverkapazitäten.
Weitere Aufwertung des Wiener Südens
Der Standort ist bewusst in ein etabliertes Ökosystem eingebettet: In direkter Nachbarschaft arbeiten bereits sechs Forschungseinrichtungen sowie mehr als 40 Unternehmen und Start-ups aus den Life Sciences. Ziel ist es, den steigenden Bedarf an modularen, zukunftsfähigen Laborflächen und Rechenleistung für etablierte Unternehmen, KMU, Scale-ups und junge Gründungen zu decken.
Eine zentrale Rolle übernimmt AITHYRA, das Institut für Künstliche Intelligenz in der Biomedizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Das von der Boehringer Ingelheim Stiftung mit 150 Mio. Euro für die kommenden zwölf Jahre finanzierte Institut wird rund die Hälfte der Flächen beziehen und ab 2029 internationale Spitzenforschung in das Gebäude bringen. Der Biochemiker Georg Winter wurde dort im April 2025 als Scientific Director Life Sciences berufen, der KI-Experte Michael Bronstein (Scientific Director AI) als Institutsdirektor. Anita Ender fungiert als Managing Director. Winter ist Experte auf dem Gebiet des gezielten Proteinabbaus, der gerade Boehringer Ingelheim in vielfältiger Weise als neues Therapiegebiet interessiert. Eine hohe angewandte Ausrichtung der Forschung liegt damit nahe. Damit soll das Life Science Center Vienna insgesamt zu einem sichtbaren Knotenpunkt für KI-gestützte biomedizinische Forschung in Europa werden.
Vor dem Bezug steht die Planung
Das Gebäude ist als energieeffizienter und nachhaltiger Labor- und Bürokomplex konzipiert. Geplant sind eine klimaneutrale Energieversorgung, Photovoltaikflächen auf Dach und Fassade sowie Begrünungs- und Verschattungskonzepte. Das Projekt strebt den Gold-Standard der Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen an. Für 2026 sieht der Zeitplan die Detailplanung, Flächenvorbereitung, Vermarktung und Baubewilligung vor. Der Baustart ist für 2027 geplant, die bauliche Fertigstellung mit dem Einzug von AITHYRA für 2029. Ab 2030 soll der Vollbetrieb aufgenommen werden.
Mit dem Projekt treibt Wien die Weiterentwicklung seines Life-Science-Standorts gezielt voran. Die Branche verzeichnete zuletzt ein starkes Wachstum mit einem Umsatz von 22,7 Mrd. Euro im Jahr 2023 und mehr als 49.000 Beschäftigten. Das Life Science Center Vienna soll diese Dynamik langfristig unterstützen und den Standort international weiter positionieren.


Knowbio GmbH
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University of Tartu Institute of Genomics Ancient DNA Laboratory